Präanalytik

Von der Blutentnahme bis zum Vorliegen des Laborbefundes vergeht Zeit. Die Zeit, die es benötigt, bis eine Probe im Analysengerät Werte misst, gehört zur präanalytischen Phase in der Labordiagnostik.

Art und Weise der Transportwege und der Lagerung von Proben beeinflussen die präanalytische Phase.

Vor allem die Ergebnisse von Gerinnungsparametern sind von der präanalytischen Phase abhängig.

Fehler in der Präanalytik beeinflussen die analytische Phase im Laborgerät und haben therapeutische Konsequenzen. Durch die Blutentnahme in der Gerinnungsambulanz können präanalytische Fehlerquellen weitgehend vermieden werden.

Zeitpunkt für ein Thrombophiliescreening*

- bei Einnahme von DOAC sollten 24-48 Stunden Einnahmepause vor der Blutentnahme eingehalten werden

- bei Einnahme von DOAC und geplanter Lupusdiagnostik sollten möglichst 72 Stunden Einnahmepause vor

   der Blutentnahme eingehalten werden

- bei Einnahme von VKA ist die Diagnostik ohne Messung von Protein S und C möglich

- bei Einnahme von VKA ist der Ausschluss eines möglichen Lupusantikoagulans erschwert

- bei Einnahme von VKA und medizinisch vertretbarer Einnahmepause des VKA Blutentnahme 4 Wochen nach

   letzter VKA-Einnahme

- nicht in den ersten 6 Wochen nach akuter Thrombembolie

 

Zeitpunkt für Gerinnungsuntersuchungen bei Blutungsneigung*

- ca. 3 Wochen nach fieberhaftem Infekt, Entzündungen, Trauma

- ca. 3 Wochen nach einem operativen Eingriff

- 7-10 Tage nach Einnahme von Schmerzmedikamenten, die die Blutplättchenfunktion beeinflussen

- 7-10 Tage nach einer medizinisch vertretbaren Einnahmepause von Medikamenten, die die

   Blutplättchenfunktion beeinflussen

          *modifiziert nach Stevens SM et al., Journal Thrombosis and Thrombolysis, 2016

           DOAC=Direkte orale Antikoagulantien; VKA=Vitamin K-Antagonisten

Molekulargenetische Tests

Molekulargenetische Tests, z. B. die Mutationsdiagnostik der Faktoren II und V können zu jedem Zeitpunkt und unabhängig von jeder Medikamenteneinnahme durchgeführt werden.

Immunologische Tests

Immunologische Tests wie die Messung von Antiphospholipid-Antikörpern machen zum Thromboseereignis-zeitpunkt Sinn, sollten in bestimmten Fällen jedoch erneut gemessen werden. Der dringende Verdacht auf ein Antiphospholipid-Antikörper-Syndrom zum Zeitpunkt des Thrombembolieereignisses hat therapeutische Konsequenzen.

Hinweise zur Blutentnahme

- zu langen Venenstau sowie zu starken Sog bei der Blutentnahme vermeiden

- die standardisierten Citratröhrchen müssen bis zur Markierung gefüllt und sofort nach der Blutentnahme

   über Kopf gekippt werden

- auf die Blutabnahme aus einem Zugang, über den eine Antikoagulanzientherapie erfolgt, sollte verzichtet

   werden

​- die Bestimmung der Gerinnungsparameter insbesondere der Einzelfaktoren sollte in einem Zeitfenster

   von 4 Stunden nach der Blutabnahme gewährleistet sein